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      Key Facts

      • Energie wird im Zuge von Digitalisierung und Automatisierung wichtiger als Arbeit.
      • Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über hohe Strom‑ und Gaskosten – ein entscheidender Standortnachteil.
      • Robotik und humanoide Systeme verstärken den Energiebedarf und werden den Standortnachteil im Zeitablauf weiter verschärfen.

      Über Jahrzehnte folgte die Industrie einer klaren Logik: Produziert wurde dort, wo Arbeit günstig verfügbar war. Diese Gleichung gerät zunehmend ins Wanken. Mit dem steigenden Einsatz von Automatisierung, Robotik und KI sowie den hierfür benötigten Data Center verlieren Lohnkosten an Bedeutung – während Energie in den Mittelpunkt rückt.

      Hochautomatisierte Produktionsumgebungen, sogenannte Dark Factories, arbeiten nahezu ohne menschliche Präsenz. Roboter fertigen rund um die Uhr, Prozesse werden digital optimiert. Der Effekt: Arbeitskosten treten in den Hintergrund, während Fixkosten und laufende Energiekosten an Gewicht gewinnen. Wettbewerbsfähigkeit hängt zunehmend vom Zugang zu verlässlicher und bezahlbarer Energie ab.

      Energiekosten im internationalen Vergleich: Deutschland im Nachteil

      Internationale Energiepreisvergleiche sind methodisch anspruchsvoll. Unterschiede bei Abnahmemengen, Netzentgelten, Steuern und regulatorischen Rahmenbedingungen erschweren exakte Vergleiche. Die strategische Aussage ist dennoch eindeutig.

      Sowohl beim Industriestrom als auch bei Industriegas liegt Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Preisfeld. Industriestrom kostet hierzulande aktuell rund 25 Cent je Kilowattstunde, während Unternehmen in den USA bei etwa 15 Cent und in Ländern wie China oder Indien bei rund 10 Cent je Kilowattstunde liegen. Was auf Basis einer Kilowattstunde wie ein kleiner Unterschied aussieht, multipliziert sich über den Strombedarf vieler Industrien im Gigawattbereich und entscheidet darüber, ob Unternehmen profitabel sind oder Verluste anhäufen.

      Auch beim Industriegas zeigt sich ein ähnliches Bild, wenngleich Gaspreise stärker globalen Marktmechanismen unterliegen als Strompreise und sich damit international weniger stark unterscheiden: Deutschland bewegt sich mit knapp 8 Cent je Kilowattstunde ebenfalls im oberen Kostenbereich, während die wesentlichen Wettbewerber Deutschlands auf den Weltmärkten – insbesondere die USA, China und Indien – deutlich niedrigere Preise aufweisen. Für Industrien mit thermischen Produktionsverfahren ist der Gaspreis einer der wichtigsten Kostenfaktoren.


      Industriestromvergleich

      Warum kurzfristige Entlastungen nicht ausreichen

      Zeitlich begrenzte Entlastungsmechanismen oder Sonderregelungen – so wie von der aktuellen Bundesregierung beschlossen bzw. geplant – können Unternehmen zwar kurzfristig helfen. Strategisch lösen sie jedoch das Grundproblem nicht. Mit zunehmender Automatisierung und Digitalisierung steigt der Energiebedarf – nicht nur in der Industrie, sondern perspektivisch auch in weiteren Teilen der Wirtschaft.

      Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern ein struktureller Trend. Je stärker Unternehmen ihre Prozesse automatisieren und digitalisieren, desto größer wird die Abhängigkeit von stabiler, planbarer und bezahlbarer Energieversorgung. Damit rückt Energie zunehmend in den Fokus unternehmerischer Risiko‑, Standort‑ und Investitionsentscheidungen.

      Robotik und humanoide Systeme verschärfen die Energiefrage

      Der Trend zur Automatisierung beschränkt sich längst nicht mehr auf klassische Industrieroboter. In den kommenden Jahren ist mit einem deutlich breiteren Einsatz humanoider Roboter zu rechnen – in der industriellen Fertigung ebenso wie in Logistik, Wartung, Service oder Pflege. In Kombination mit KI‑Systemen erweitern sich ihre Einsatzmöglichkeiten exponentiell. Zusätzlich verstärkt die Alterung der Gesellschaften den Druck, humanoide Systeme auch jenseits der Industrie einzusetzen.

      Prognosen zum Hochlauf humanoider Robotik variieren, der Trend ist jedoch klar: Die Skalierung nimmt deutlich zu. Für Unternehmen bedeutet das eine weitere Verschiebung der Kostenstruktur. Während menschliche Arbeit variable Kosten verursacht, führen robotergestützte Systeme zu einem dauerhaft höheren Energiebedarf – im Betrieb wie in der digitalen Infrastruktur.

      Was bedeutet das für Unternehmen?

      Unabhängig von politischen Rahmenbedingungen ergeben sich daraus klare Handlungsfelder:

      1. Energie strategisch verankern
      Energiefragen gehören auf die Agenda von Vorstand und Geschäftsführung – als integraler Bestandteil von Investitions‑, Standort‑ und Automatisierungsentscheidungen.

      2. Automatisierung, Robotik und Energie gemeinsam steuern
      Produktivitätsgewinne durch Automatisierung und Robotik entfalten ihren vollen Effekt nur dann, wenn Energieeffizienz, Lastmanagement und Versorgungssicherheit von Beginn an mitgedacht werden.

      3. Standortentscheidungen neu bewerten
      Internationale Produktions‑ und Footprint‑Entscheidungen sollten Energiekosten stärker gewichten als bisher – insbesondere mit Blick auf mittelfristige Entwicklungen durch Robotik und KI.

      4. Resilienz durch Diversifikation erhöhen
      Eigenstrommodelle, flexible Beschaffung, Energiepartnerschaften und regionale Diversifizierung reduzieren Abhängigkeiten und Kostenrisiken.

      5. Transparenz schaffen
      Viele Unternehmen unterschätzen die langfristige Wirkung steigender Energiekosten. Eine belastbare Datenbasis zu Verbrauch, Preisrisiken und Effizienzpotenzialen ist Voraussetzung für strategische Steuerung.

      Fazit

      Im Zeitalter digitaler, automatisierter und zunehmend robotergestützter Wertschöpfung wird Energie zur neuen Währung industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die Energiekosten frühzeitig als strategische Variable begreifen und aktiv steuern, sichern sich entscheidende Vorteile.

      Nicht politische Debatten entscheiden über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, Wertschöpfung konsequent an die neue Kosten‑ und Energielogik anzupassen.

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      Andreas Glunz
      Andreas Glunz

      Bereichsvorstand International Business

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


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