Die Bundesregierung schafft mit dem Sondervermögen neue Investitionsanreize – insbesondere im Infrastrukturbereich. Für Unternehmen ergeben sich daraus vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten: als Technologieanbieter, Umsetzungspartner oder Betreiber – aber auch als Mitgestalter bei Förderprojekten.
Darüber hinaus eröffnet die europäische Initiative „ReArm Europe“ zusätzliche Perspektiven für Unternehmen in sicherheits- und verteidigungsnahen Industrien. Im Fokus stehen hier grenzüberschreitende Kooperationen, technologische Innovationen und der Zugang zu EU-Förderprogrammen wie dem European Defence Fund (EDF).
Unsere Fragen und Antworten zeigen auf, wie Unternehmen ihre Potenziale in diesen Märkten gezielt einbringen können – national und europaweit.
Mathias Oberndörfer
Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor & Law
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
10 Fragen und Antworten für den privaten Sektor
Das Investitionsumfeld der kommenden Jahre bietet Unternehmen vielfältige Geschäftsmöglichkeiten – insbesondere in den Bereichen Bau, Energie, IT, Sicherheitstechnologien, Transport und Digitalisierung. Die Modernisierung kritischer Infrastrukturen und die Digitalisierung der Verwaltung eröffnen neue Märkte, auch in der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand. Zusätzlich schafft der europäische ReArm Europe Plan zusätzliche Potenziale: Unternehmen, die zur Stärkung der European Defence Technological and Industrial Base (EDTIB) beitragen, profitieren von neuen Förderinstrumenten und strategischer Relevanz auf EU-Ebene.
Ja – sowohl national als auch europäisch. Auf Bundesebene werden Vorhaben in Bereichen wie Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Energieeffizienz, IT-Sicherheit oder digitaler Infrastruktur gezielt gefördert – teils durch Zuschüsse, teils durch steuerliche Anreize oder zinsvergünstigte Kredite. Auf EU-Ebene bieten Programme wie der European Defence Fund (EDF) und die ReArm Europe Initiative Zugang zu Finanzmitteln für Unternehmen, die sicherheitsrelevante Technologien, dual-use-Produkte oder innovationsbasierte Kooperationen entwickeln.
Unternehmen sollten sich frühzeitig mit den relevanten Vergabeportalen vertraut machen – etwa mit der e-Vergabe des Bundes, TED (EU) oder den Vergabemarktplätzen der Länder. Neben formalen Eignungsnachweisen spielen Nachhaltigkeitszertifizierungen, IT-Sicherheitsstandards und Vergabeerfahrung eine zunehmende Rolle. Bei verteidigungsnahen Projekten gelten darüber hinaus erhöhte Anforderungen an Geheimschutz, IT-Security und Unternehmenszuverlässigkeit.
Neben technischer Leistungsfähigkeit sind branchenspezifische Nachweise erforderlich – etwa im Bereich Geheimschutz, Sicherheitsüberprüfungen gemäß SÜG, Exportkontrolle oder NATO-/EU-Zulassung. Besonders in EU-Projekten wie unter ReArm Europe ist mit unterschiedlichen nationalen Regulierungen zu rechnen, was eine frühzeitige Compliance-Prüfung sinnvoll macht. Künftig wird eine stärkere Harmonisierung erwartet – sie ist Bestandteil europäischer Verteidigungsstrategie.
Digitale Souveränität ist zunehmend ein Förder- und Vergabekriterium. Unternehmen, die Technologien auf europäischer oder nationaler Basis entwickeln, haben Vorteile bei der Projektvergabe – besonders in sensiblen Bereichen wie Cloud-Infrastruktur, Plattformlösungen, Datenverarbeitung oder Kommunikationsnetzen. Der Einsatz offener Standards, Interoperabilität sowie DSGVO-Konformität sind entscheidend.
ÖPP-Modelle bieten privaten Unternehmen die Möglichkeit, sich langfristig an Infrastruktur- oder IT-Projekten der öffentlichen Hand zu beteiligen – als Bau- oder Betriebspartner, technischer Dienstleister oder Finanzierungspartner. Besonders in den Bereichen Bildung, Energieversorgung, Mobilität und digitale Verwaltung sind neue Projekte geplant. Erfolgsfaktoren sind transparente Vertragsmodelle, faire Risikoaufteilung und ein belastbares Governance-Framework.
KRITIS-Bereiche wie Energie, Gesundheit, Transport oder Wasser unterliegen hohen regulatorischen Anforderungen. Unternehmen, die hier aktiv werden wollen, müssen technische Sicherheitsvorgaben, Auditpflichten und branchenspezifische Schutzkonzepte berücksichtigen – einschließlich Notfallplanung und IT-Sicherheit. Besonders relevant sind das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 und branchenspezifische Standards wie B3S. Auch ESG-Kriterien und Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnen an Bedeutung.
Cybersicherheit ist ein strategischer Schwerpunkt der Bundesregierung – insbesondere im Kontext kritischer Infrastrukturen und staatlicher Digitalprojekte. Unternehmen können durch Förderprogramme (z. B. „Digital Jetzt“), Brancheninitiativen (z. B. BSI-Kooperationen) oder EU-Förderung ihre Sicherheitsarchitektur stärken. Auch im Rahmen des ReArm Europe Plans wird Cybersicherheit als innovationsrelevantes Feld gesehen, das gezielt gefördert werden soll – insbesondere für kleine und mittlere Anbieter mit technologischer Spezialisierung.
Mit Initiativen wie dem ReArm Europe Plan oder dem EDF will die EU ihre Verteidigungs- und Technologiefähigkeit stärken. Gefragt sind insbesondere KMU, Start-ups und Forschungspartner, die innovative Lösungen für sicherheitsrelevante Anwendungen liefern – etwa im Bereich KI, Robotik, Sensorik oder dual-use-Technologien. Zugang zu EU-Mitteln erfordert Kooperationsfähigkeit, Projektstrukturierung und Ausrichtung auf europäische Standards. Für viele Unternehmen bieten sich hier erstmals transnationale Fördermöglichkeiten und neue Märkte.
Innovative Unternehmen können sich über Pilotprojekte, Testfelder oder Forschungskooperationen direkt an der Gestaltung künftiger Infrastrukturen beteiligen. Der Staat tritt dabei zunehmend als „Innovationskunde“ auf – offen für neue Technologien, modulare Ansätze oder skalierbare Lösungen. Besonders in Bereichen wie KI-gestützte Sicherheit, autonomer Transport, Raumfahrt oder digitale Resilienz sind gezielte Innovationspartnerschaften gewünscht – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.