Covid-19 und der Einzelhandel Covid-19 und der Einzelhandel
Keyfacts
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Unser Head of Retail Stephan Fetsch beschreibt im Interview, wie sich das Coronavirus auf den Einzelhandel auswirkt.
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Konsequenzen: Viele Segmente der Branche erleben hohe Umsatzeinbußen.
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Maßnahmen: Unternehmen sollten sich neben der Aufrechterhaltung des Betriebs auf verschiedene Krisenverläufe vorbereiten.
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Ausblick: Der Onlinehandel könnte weiter an Bedeutung gewinnen.
Herr Fetsch, der Lockdown hält nun schon seit vielen Wochen an. Wie betrifft Covid-19 die Retail-Branche?
Das unterscheidet sich je nach Segment stark. Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet starke Zuwächse, da viele Menschen Essen auf Vorrat kaufen und es kaum noch in der Kantine oder unterwegs zu sich nehmen. Die Baumärkte haben zu Beginn der Krise ein deutliches Plus erlebt, inzwischen haben sich die Umsätze aber wieder eingependelt. In manchen Bundesländern müssen Baumärkte ganz geschlossen bleiben bzw. sind nur spezifischen Kundengruppen zugängig. Noch höhere Umsatzeinbußen gibt es in den Bereichen Konsumentenelektronik und Textil.
Im Textil-Segment stand auch vor dem Coronavirus eine Marktbereinigung an. Die derzeitige Pandemie wird diese Konsolidierung meines Erachtens nicht unerheblich beschleunigen.
Wie gehen Retail-Unternehmen mit dieser Situation um?
Die meisten Firmen sind damit beschäftigt, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Das ist aufgrund der hohen Krankenstände auch für die schwierig, bei denen das Geschäft gut läuft. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, arbeiten viele Unternehmen in den Zentralfunktionen nach dem Rotationsprinzip. In einer Woche arbeitet eine Hälfte der Angestellten, in der nächsten Woche die andere Hälfte. Wer Läden schließen muss, beantragt in aller Regel Kurzarbeitergeld.
Kommt es auch bei der Zulieferung zu größeren Problemen?
Ja, denn gerade im Non-Food-Bereich werden viele Waren in Asien hergestellt und dort läuft die Produktion erst gerade wieder an. Das führt auch dazu, dass sich sehr viele Frachter und leere Container in asiatischen Ländern befinden und etwa an deutschen Häfen für Exporte fehlen. Erschwerend hinzu kommt, dass es auch bei Hafenarbeitern teils hohe Krankenstände gibt, was die Lieferkette weiter verlangsamt. Mangels Freikapazitäten wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich das weltweite Logistiksystem auf einem neuen Gleichgewicht eingependelt haben wird.
Welche Maßnahmen können Retailern nun helfen?
Wie immer in Krisen gilt: Geld zusammenhalten, also ein striktes Liquiditätsmanagement. Das ist Schritt 1. Ebenso gehört die Prüfung/Restrukturierung der bestehenden Finanzierung oder die Beantragung staatlicher Fördergelder auf den Tisch. Und nicht zu vergessen: gegen Unsicherheit helfen nur Szenarioanalysen. Die Lage ist derartig unvorhersehbar, dass man das eigene Geschäftsmodell nur in Szenarien testen kann. Unternehmen in Not oder mit absehbaren Problemen sollten sich auf ein Schutzschirmverfahren oder auf eine echte Insolvenz vorbereiten.
Auf welche Szenarien sollten sich Unternehmen einstellen?
Zum einen auf den Fall, dass die Politik das „social distancing“ noch lange aufrechterhält, was viele Segmente der Branche vor große Herausforderungen stellen wird. Zum anderen auf den Fall, dass es zu einer schrittweisen Rückkehr zu einer (neuen) Normalität kommt. Dabei ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie lange dies dauern könnte und wie sich die Branche und die Konsumenten infolge der Pandemie strukturell verändern oder sich bereits verändert haben.