Ident-Verfahren (KYC) in Zeiten von Covid-19 Ident-Verfahren (KYC) in Zeiten von Covid-19
Keyfacts
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Kriminelle nutzen verschiedene Wege, um an Corona-Hilfen zu gelangen.
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Die Bedarfs- und Identifikationsprüfung wird wegen des hohen Aufwands für Behörden und Banken oftmals vernachlässigt.
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RegTechs können mit ihren innovativen KYC-Lösungen Unterstützung gegen den Betrug leisten.
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Das aktuelle Videoidentifizierungsverfahren könnte bald von neuen Methoden zur Identitätsfeststellung abgelöst werden.
Seit der Ausbreitung des Coronavirus ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland stark eingebrochen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bekommen die Folgen der Covid-19-Pandemie zu spüren, da sie ihre Geschäftsräume und Produktionsstätten schließen mussten.
Daher verabschiedete die Bundesregierung, in Absprache mit den Bundesländern, frühzeitig ein umfangreiches Hilfsprogramm, das die liquiditätsschwachen KMU unterstützen soll. Es sieht ein schnelles und unkompliziertes Verfahren vor, um Corona-Hilfen in Form von Zuschüssen oder Krediten als Soforthilfen an die notleidenden Unternehmen zu vergeben.
Corona-Hilfen stellen Behörden und Banken vor Herausforderungen
Seit Inkrafttreten dieses Hilfsprogramms ist sowohl bei den einzelnen Behörden als auch bei den Banken eine Vielzahl von Anträgen eingegangen. Allein in Hessen wurden bis zum 26. April „weit über 100.000 Anträge“ auf Corona-Soforthilfe gestellt. Die Antragsflut sowie die geforderte schnelle, unkomplizierte Auszahlung stellen Banken und Behörden allerdings vor verschiedenste Probleme.
Zum einen macht die hohe Anzahl der gestellten Anträge eine individuelle Betrachtung und Bedarfsprüfung durch einen Mitarbeiter unmöglich. Zum anderen schließt das Kontaktverbot eine persönliche Beratung des Antragsstellers aus. Außerdem werden bei der Beantragung und der Auszahlung der Corona-Hilfen die Antragssteller nicht ausreichend identifiziert und verifiziert. Dies nutzen Kriminelle mehr und mehr aus.
Kriminelle nutzen verschiedenste Möglichkeiten
Mithilfe von gefälschten Behörden-Websites sammeln Cyberkriminelle persönliche Daten. Potenziell antragsberechtigte Privatpersonen und KMU geben dort alle nötigen Daten ein, um Hilfen zu beantragen - doch dann reichen die Betrüger mit den erlangten Daten die Anträge bei den richtigen Stellen ein und ändern dabei lediglich die Kontoverbindung für die Auszahlung.
Darüber hinaus versuchen Antragssteller, die grundsätzlich zu Corona-Hilfen berechtigt sind, durch die mehrfache Beantragung sich die Unterstützung mehr als einmal auszahlen zu lassen. Dies kann unbewusst oder bewusst geschehen. So wird zum Beispiel sowohl für die natürliche als auch für die juristische Person ein Antrag gestellt. Weil die persönlichen Daten unzureichend oder nicht vollständig geprüft werden und etwa keine Dublettenprüfung vorgenommen wird, werden Corona-Hilfen zunehmend mehrfach ausgezahlt.
Aber auch Personen, die kein Anrecht auf Corona-Hilfen haben, stellen Anträge bei Banken und Behörden. Aufgrund der hohen Anzahl an Antragsstellern und der geringen Prüfungsmöglichkeiten werden die staatlichen Hilfen ohne wirkliche Bedarfsprüfung ausgezahlt.
Wie RegTechs helfen können
Als RegTech (Regulatory Technology) werden Unternehmen bezeichnet, die durch den Einsatz innovativer Technologien regulatorische Herausforderungen und Compliance-Belastungen effektiver und effizienter lösen. Gerade in Corona-Zeiten, in der es um schnelles, aber dennoch wirkungsvolles und bedarfsgerechtes Handeln geht, ist es sinnvoll und empfehlenswert, solche Technik einzubeziehen. Dies wird nicht nur zur Entlastung der Mitarbeiter, sondern auch zu einer geringeren Anzahl an Betrugsfällen führen.
Ist das Videoidentifizierungsverfahren die Lösung?
Die BaFin hat im Jahr 2017 eine Lösung in Deutschland zugelassen, die trotz räumlicher Trennung eine Identifizierung ermöglicht, und die mit dem Geldwäschegesetz (GWG) konform ist. Die Videoidentifizierung - beschrieben in den Auslegungs- und Anwendungshinweisen zum GWG (5.1.3.2 f. Videoidentifizierungsverfahren, AuA) - darf seitdem als Alternative zur persönlichen Vor-Ort-Identifizierung von natürlichen Personen genutzt werden.
Für die Durchführung der Videoidentifizierung stellt die BaFin bestimmte Anforderungen. Diese beziehen sich unter anderem auf die räumlichen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen und verlangen zudem speziell geschulte und ausgebildete Mitarbeiter. Verlangt werden von den Mitarbeitern beispielsweise Fachkenntnisse in den Prüfverfahren der akzeptierten Dokumente, Wissen über gängige Fälschungsmöglichkeiten dieser Dokumente und Kenntnisse der geldwäscherechtlichen und datenschutzrechtlichen Vorschriften.
Die Ausbildung der Mitarbeiter sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen sind kostspielig und zeitaufwendig. Allerdings ist dadurch eine Identifizierung bequem von zu Hause aus möglich. Das Verfahren stößt jedoch an seine Leistungsgrenzen. Oftmals muss auf einen Termin gewartet werden. Zusätzlich können Datenschutzprobleme durch die Nutzung von zu Hause auftreten.